
Reinhold Neuberts Raumdarstellungen stehen in der Tradition einer sachlich-realistischen Moderne. Er konzentriert sich auf Interieurs und Architekturstücke als funktional genutzte, historisch gewachsene Räume, deren Struktur, Materialität und Ordnung unabhängig von figürlicher Präsenz erfahrbar werden. Neuberts Räume erschließen sich zumeist aus sich selbst – ›sans intermédiaires‹, wobei er gekonnt die Autonomie des Bildes mit der Aktivierung des Betrachters verbindet.
Der Architektur selbst ist Historie eingeschrieben, wie auch der Kreuzgang im Kloster Seeon (1923) verdeutlicht. ImGlockenstuhl des Magdeburger Doms (1939) rückt das ihm immanente, konstruktive Gefüge in den Mittelpunkt. Die Vielfalt von Neuberts Räumen ergibt sich aus den jeweiligen Gegebenheiten, die er vorfindet, und der Erfahrung von Raum, Bewegung und Zeit, die sich im Betrachten aktualisiert.

Kreuzgang
Kloster Seeon (1942)
Glockenstuhl
Magdeburger Dom (1939)
