Reinhold Neuberts sehr bemerkenswerte Portraits zeichnen sich durch realistische Figurenstärke, handwerkliche Präzision und individuelle Charakterisierung aus. Im Bildnis Der Kardinal (1901) wird nicht allein Erzbischof Paulus Ludolf Melchers’ Person realistisch präsent, sondern insbesondere die seinem Gesicht innewohnende intellektuelle Tiefe. In den 1920er Jahren wird Neuberts Ton leichter, die Motivik machen Kinder und Familienangehörige aus, die – empathisch, aber ohne Überhöhung ausgeführt – in lebensnahen Situationen erfasst werden. Johanna, das Bildnis seiner Frau (1923), verbindet ihre charakteristischen Züge mit dem nunmehr narrativen Moment des Hintergrunds. Das einfallende Sonnenlicht akzentuiert Stirn und Haaransatz, Augenpartie, Haare, Stofflichkeit und Schatten sind differenziert ausgeführt; die frühere formale Strenge ist gemildert. Eine besondere Verdichtung erreicht Neubert Mitte der 1930er Jahre in Mädchen mit Flöte, Bildnis der Tochter Dietlind (1937), wo meisterlich akademische Genauigkeit, moderne Plastizität, räumliche Klarheit und harmonische Komposition in einer alltäglichen, nahbaren Szene zusammengeführt sind.

Johanna
Bildnis seiner Frau (1923)

Mädchen mit Flöte 
Bildnis der Tochter Dietlind (1937)

Der Kardinal  (1901)

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